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Diminutiv
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Das Diminutiv (auch Deminutiv, Diminutivum, Deminutivum von lateinisch (nomen) deminutivum, zu deminuere „verringern, vermindern“,cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] vgl. minus) ist die Verkleinerungsform eines Substantivs mit grammatischen Mitteln. Gegenteil ist das Augmentativ. Diminutive dienen der Verniedlichung, z. B. als Koseform und zur Bildung von Kosenamen (Hypokoristika), oder auch der pejorativen und dysphemistischen Abwertung. HĂ€ufigste Endungen im Hochdeutschen sind „-chen“ und „-lein“, letzteres im Alemannischen als „-le“ beziehungsweise in der Schweiz „-li“ (Schweizerdeutsch).

Contents

‱ Verwendung
‱ Litauisch
‱ Lettisch
‱ Esperanto
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Kennzeichen und Herkunft

Das Diminutiv gehört als Verkleinerungsform zu den Mitteln der morphologischen Wortbildung. Diminutivformen werden in der Regel durch KĂŒrzung, Silbenverdoppelung oder AnfĂŒgen eines Diminutivaffixes gebildet. Die Art und HĂ€ufigkeit des Gebrauchs von Diminutiven unterscheidet sich je nach Sprache und Dialekt.

Im Deutschen ist das Diminutiv vor allem durch die Suffixe -chen und -lein gekennzeichnet. UrsprĂŒnglich galt sowohl im mittel- als auch im oberdeutschen Sprachraum nur das Suffix -lein, wogegen -chen aus dem niederdeutschen und niederfrĂ€nkischen Sprachraum stammt (nd. -ken oder -ke). Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich -chen in der Schriftsprache zum dominanten Suffix.cite-ref-lameli-3-0[3]

Grundlage bildet in beiden FĂ€llen das germanische Zugehörigkeitssuffix *-Ä«n. Im Fall von -chen wurde es mit dem Suffix *-k (germanisch *-ko/-kacite-ref-4[4]) verbunden, wogegen -lein eine Verbindung des althochdeutschen Suffixes -al, -il (vgl. etwa ahd. fogal ‚Vogel‘, leffil ‚Löffel‘) mit dem althochdeutschen Verkleinerungssuffix -Ä«n ist, das spĂ€ter als neues, eigenstĂ€ndiges Suffix interpretiert und auf Wörter ĂŒbertragen wurde, die ursprĂŒnglich kein l-Suffix besaßen (vgl. etwa ahd. hĆ«silÄ«n ‚HĂ€uslein‘).cite-ref-5[5]

Im Deutschen gibt es zudem bei Vornamen und anderen Substantiven eine Diminutivendung auf -i (Hansi, Berti, Karli; aber auch Studi, Bubi); siehe auch Abschnitt „Koseformen bei Vornamen“. Die Endung -i wird auch zur Bildung von Spitznamen aus Familiennamen verwendet.

Reduplikationen finden sich auch im Deutschen vor allem fĂŒr Koseformen (Papa oder Dodo fĂŒr „Doris“ etwa).

Verschwunden (beziehungsweise von -chen ĂŒberschichtet) ist hingegen das im FrĂŒhneuhochdeutschen beliebte Suffix -gen, das unklarer Herkunft ist.cite-ref-lameli-3-1[3]

Wortbildung

Die Bildung des Diminutivs ist im Deutschen oft mit der Änderung des Vokals der Stammsilbe zum entsprechenden Umlaut (Sack – SĂ€cklein) und Aussparung eines unbetonten letzten Vokals (Hose – Höschen) verbunden (Gegenbeispiele sind etwa Paulchen, Blondchen). Der zu einem doppelt geschriebenen Vokal gebildete Umlaut wird nur einfach geschrieben (z. B. Boot – Bötchen).

Im mittelbairischen Dialektraum wird das Diminutiv bevorzugt mit -erl (z. B. Sackerl, Hunderl, Hoserl, StĂŒberl), auch nur mit -l (z. B. Gansl) gebildet.

Im sĂŒdbairischen Dialektraum wird das Diminutiv bevorzugt mit -ele oder -ale (z. B. Sackele/Sackale, Hundele/Hundale, Hosele/Hosale) gebildet.

Im alemannischen Dialektraum wird das Diminutiv in der Regel mit -li gebildet: z. B. Platz – PlĂ€tzli. Besonders in höchstalemannischen Mundarten gibt es auch weitere Varianten wie -ji und -tschi, siehe dazu im Artikel -li.

Im schwÀbischen Dialektraum wird das Diminutiv mit den Endungen -le (Singular) bzw. -la (Plural) gebildet, z. B. Heisle und Heisla (HÀuslein).

Im AltsĂ€chsischen wurde fĂŒr die Verkleinerung das ableitende k (c) bevorzugt, das durch die hochdeutsche Lautverschiebung zu ch wurde und sich zum heutigen -chen erweiterte. Dem oberdeutschen Fridolin mit dem Stamm frid entspricht also ein angelsĂ€chsischer Frideko, einem oberdeutschen Berilo mit dem Stamm ber ein niederdeutscher Beriko usw. Die Namensformen mit ko sind seit dem 4. Jahrhundert nachgewiesen.cite-ref-6[6]

Grammatisches Geschlecht (Genus)

In der deutschen Standardsprache sind Diminutive auf -chen und -lein stets sĂ€chlich, weshalb die Diminuierung mĂ€nnlicher oder weiblicher Substantive – bei Lebewesen ungeachtet ihres natĂŒrlichen Geschlechts (Sexus) – eine Änderung des Genus mit sich bringt. Somit ist das MĂ€dchen (ursprĂŒnglich: MĂ€gdchen, Diminutiv von Magd)cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] grammatikalisch sĂ€chlich, ebenso wie Weibchen und MĂ€nnchen. In Dialekten sind Verkleinerungen von mĂ€nnlichen Personennamen hingegen oft mĂ€nnlich, etwa der Hansli (der kleine Hans), aber das Anneli (die kleine Anna). Im österreichischen Dialektraum behalten Verkleinerungen weiblicher Personennamen in der Regel den weiblichen Genus wie die Annerl im Gegensatz zu beispielsweise das Hunderl.

Verwendung

Verwendung des Diminutivs im Deutschen:

‱ fĂŒr kleine oder junge Menschen
‱ zur Kennzeichnung kleiner GegenstĂ€nde innerhalb einer Klasse von GegenstĂ€nden
‱ zur Kennzeichnung kleiner oder junger Tiere oder Pflanzen
‱ als Koseform
‱ als Verniedlichungsform, besonders von Substantiven oder Eigennamen in an Kinder oder geliebte Personen gerichteter Sprache
‱ als Wertung: Minderung des Ansehens einer Person oder des Wertes eines Gegenstandes als Pejorativum bzw. Dysphemismus („Das ist kein Haus, das ist ein HĂ€uschen!“)
‱ als Untertreibung („wir haben ein Problemchen“)

Besonders hĂ€ufig ist die Verwendung von Diminutiven (-la, -le, -li, -l, -erl) im OstfrĂ€nkischen, in den alemannischen Dialekten (siehe den Artikel -li), im Bairischen sowie (-ke) im heute aussterbenden Niederpreußischen. Das ostfriesische Platt verwendet die Diminutiv-Endung -je bzw. -tje (Kluntje, Antje „Ännchen“), kennt aber auch das Suffix -ke (Happke „HĂ€ppchen“). Weniger ausgeprĂ€gt erfolgt es im NordniedersĂ€chsischen, wo die Verkleinerung in der Regel durch ein vorangestelltes Adjektiv ausgedrĂŒckt (lĂŒtte Deern „kleines MĂ€dchen“) wird, was mit dem weitestgehenden Fehlen von Diminutiven im angelsĂ€chsischen und skandinavischen Sprachraum korrespondiert; das norddeutsche Diminutiv auf -ing (Kinnings fĂŒr „Kinder“, Louising fĂŒr „Louise“) ist kaum noch verbreitet. Ebenfalls wenig verbreitet ist das Diminutiv -l oder -el im Ostmitteldeutschen, wo es sich meist nur in feststehenden AusdrĂŒcken wie RostbrĂ€tel findet; es lebt allerdings in einer Reihe von Personennamen (z. B. HĂ€nsel und Gretel) im gesamten deutschen Sprachraum fort.

VerselbstÀndigte Diminutive

Bestimmte Wörter sind formal Diminutive, werden jedoch als eigenstÀndiger Begriff und nicht (mehr) als Verkleinerungsform des Ursprungsbegriffes verwendet. Beispiele:

‱ ein bisschen
‱ MĂ€dchen, abgeleitet von mittelhochdeutsch maget „Jungfrau“ (vergleiche Maid und Magd), eine „kleine Magd, Maid“cite-ref-9[9]
‱ MĂ€nnchen, Weibchen, allgemeine Bezeichnung fĂŒr mĂ€nnliche bzw. weibliche Tiere; fĂŒr „kleiner Mann“ eher „MĂ€nnlein“ beziehungsweise fĂŒr „kleine Frau“
‱ FrĂ€ulein, frĂŒher Bezeichnung und Anredeform fĂŒr unverheiratete Frauen; fĂŒr kleine Frau eher Frauchen (Koseform, ohne Umlaut)
‱ Herrchen und Frauchen (Hundehalter, Hundehalterin)
‱ Wehwehchen, Zipperlein (kleines, unbedeutendes Leiden)
‱ Kaninchen (lat. cuniculus), die Hauptform Kanin wird nur fachsprachlich verwendet
‱ MĂ€rchen, abgeleitet von „MĂ€r“
‱ Radieschen, zu noch fachsprachlich verwendetem Radies (lat. radix „Wurzel“), vergleiche Rettich/Radi
‱ KĂ€tzchen, BlĂŒtenstand mancher BĂ€ume oder StrĂ€ucher, z. B. WeidenkĂ€tzchen
‱ Sankt Nimmerlein, umgangssprachlich, Tag, der niemals eintreten wird
‱ Heimchen, Verkleinerung von Heime (m. und f.) (Grille)
‱ Veilchen, Verkleinerung von Veil (m.)
‱ PlĂ€tzchen (vergleiche Keks)
‱ Sternchen, typografisches Symbol
‱ MĂ€tzchen, fĂŒr Faxen
‱ Zuckerl, fĂŒr Bonbon

Weitere Beispiele siehe auch unter -li #Bedeutung.

Koseformen bei Vornamen

→

Hauptartikel

:

Kosename

Diminutive in anderen Sprachen

Romanische Sprachen

Französisch

Das ursprĂŒngliche französische Diminutiv auf -ette kommt heute nur noch lexikalisiert vor, das heißt, die damit gebildeten Wörter sind selbstĂ€ndig und sind nicht (mehr) die Funktion einer Verkleinerung anderer Wörter. Ein Beispiel ist etwa sandalette „leichte Sandale“, zu sandale „Sandale“. Einige auf diese Weise gebildete Begriffe haben als Fremdwörter Eingang ins Deutsche gefunden, beispielsweise Voiturette oder Zigarette.

Im Quebecer Französisch werden Diminutivformen durch PrĂ€figierung oder Silbenverdopplung gebildet, beispielsweise ti-chat „KĂ€tzchen“, ti-gars „JĂŒngelchen“, Ti-(L)ouise „Louise“, Ti-Mi „Michelle“, DĂ©dĂ© „AndrĂ©â€œ, Didi „Diane“, Dodo „Dominique“. Ähnliche Formen gibt es auch in den französischen Kreolsprachen (namentlich Haitianisch-Kreolisch) und verschiedenen westafrikanischen Sprachen.

Italienisch

Diminutive sind im Italienischen sehr gebrÀuchlich, besonders als Kosenamen und liebevoll, aber auch scherzhaft oder ironisch. Die typischen Endungen lauten -ina und -ino, oder -etta und -etto; und zuweilen auch -ella und -ello.

Beispiele: Annina zu Anna, Raffaellino zu Raffaello, Giuseppino zu Giuseppe (oder Peppino zu dessen Koseform Beppe), Nicolino zu Nicola oder NiccolĂČ, Nicoletta zu Nicola, Giulietta (Giulietto) zu Giulia (Giulio), Antonino oder Antonello zu Antonio.

Seltener sind die Suffixe -accio oder die -uccio: z. B. Antonaccio statt Antonio, Matteuccio fĂŒr Matteo.

VerselbstÀndigte Bildungen sind:

‱ spaghettini (besonders feine, dĂŒnne Spaghetti),
‱ violoncello (kleine Violone, VorlĂ€ufer des Kontrabasses),
‱ piazzetta (kleiner Platz), zu piazza,
‱ pastorella zu pastora (Hirtin).

Italienisch kennt auch eine VergrĂ¶ĂŸerungsform (Augmentativ), die auf -one endet.

Portugiesisch

Siehe auch: Abschnitt „Portugiesisch“ im Artikel Diminutivaffix
In der portugiesischen Sprache sind Diminutive ausgesprochen verbreitet, sehr oft verniedlichend, scherzhaft oder ironisch sowie als Steigerung. Die typische Diminutivendung lautet im Maskulinum -inho (sprich: -iÉČu), -sinho, -zinho und im Femininum -inha (sprich: -iÉČɐ), -sinha, -zinha. Beispiele: bola „Ball“ – bolinha; bolo „Kuchen“ – bolinho; pomba „Taube“ – pombinha; peixe „Fisch“ – peixinho; melĂŁo Melone – melĂŁosinho.

Daneben existiert auch -ito (sprich: -itu) oder -ita (sprich: -itɐ), das etwas kecker oder frecher klingt als -inho/-inha und teilweise alternativ verwendet werden kann, z. B.: bĂ©bĂ© „Baby“ – bĂ©bĂ©sinho/bĂ©bĂ©sinha oder bĂ©bĂ©sito/bĂ©bĂ©sita.

Diminutive werden auch bei Adjektiven oder Adverbien benutzt, dies ist nur schwer ins Deutsche zu ĂŒbersetzen, z. B. pequeno „klein“ – pequeninho oder pequenito; bom „gut“ – bomzinho; devagar „langsam“ – devagarinho.

VerselbstĂ€ndigte Wortbildungen sind: um bocadinho „ein kleines bisschen“ (aber auch: bocado), oder carregadinho (von carregar „tragen“): uma ĂĄrvore carregadinha de fruta „ein Baum voller FrĂŒchte“.

Spanisch

Die Diminutiv-Endungen im Spanischen sind -ito beziehungsweise -ita, z. B. Manuel/Manolo – Manolito, Manuela/Manola – Manolita; JosĂ© – Joselito; flor „Blume“ – florecita; muchacha/-o „MĂ€dchen /Junge“ – muchachita/-o. Zuweilen kommt auch -illo, illa vor, z. B. Ángel –Angelillo.

Die Diminutiv-, aber auch Augmentativsuffixe weisen hinsichtlich ihrer Vokalbetonungen zwei Besonderheiten auf. So sind die Verkleinerungssuffixe, hier in ihrer maskulinen Formen: -ito, -cito, -ico, -cico, -illo, -cillo, auf einem Vorderzungenvokal betont, wohingegen die VergrĂ¶ĂŸerungssuffixe: -Ăłn, -azo, -ote, einen hinteren bzw. offenen betonten Vokal haben.

Skandinavische Sprachen

In den skandinavischen Sprachen sind Diminutiva nicht mehr produktiv. Es existieren noch lexikalisierte Reste einer Diminutivendung -ing, zum Beispiel: ĂŠlling (dĂ€n.) ‚Entchen‘ von and ‚Ente‘, killing (dĂ€n.) ‚KĂ€tzchen‘ oder kĂŠlling (dĂ€n.), kĂ€rring (schw.) ‚alte (Frau)‘ von karl ‚Kerl, Mann‘. Unterscheidungen zwischen den Verniedlichungsformen und den entsprechenden Augmentativen werden durch das Voranstellen der Wörter fĂŒr „klein“ bzw. „groß“ verdeutlicht. In lexikalisierten FĂ€llen werden diese Verbindungen zusammengeschrieben, zum Beispiel dĂ€nisch lillebror „kleiner Bruder, jĂŒngerer Bruder“.

Litauisch

In der litauischen Sprache gibt es Diminutive bei vielen Vornamen (Laimutė, Sigutė, Birutė etc.). Auch sonst sind Diminutive sehr verbreitet. DafĂŒr gibt es etliche Diminutivendungen:

‱ „-elis, -elė“: z. B. namelis (HĂ€uschen), gėlelė (BlĂŒmchen)
‱ „-ėlis, -ėlė“: ąsotėlis (KrĂŒgchen, kleiner Krug), gaidelis (HĂ€hnchen), maĆŸutėlė (kleines MĂ€dchen)
‱ „-ulis, -ulė“: maĆŸulis (kleiner Junge), Gintulis (vom mĂ€nnlichen Vornamen „Gintas“)
‱ „-(i)ukas, -(i)ukė“: berniukas (junger Knabe, KnĂ€bchen), Aidukas (vom mĂ€nnlichen Vornamen „Aidas“)
‱ „-eliukas, -eliukė“ (doppelter Diminutiv): ereliukas (ganz ganz kleiner Adler), mameliukė (kleine Mama, liebe Mama)
‱ „-ytis, -ytė“: paukĆĄtytis (Vögelchen), gėlytė (BlĂŒmchen), Onytė (vom weiblichen Vornamen „Ona“, auf Deutsch Anna)
‱ „-(i)utis, -(i)utė“: zuikutis (ganz kleines Kaninchen), saulutė (kleine Sonne, beliebt als Kosewort), s. a. die weiblichen Beispielvornamen oben
‱ „-(i)Ć«kĆĄtis, -(i)Ć«kĆĄtė“: berniĆ«kĆĄtis (junger Knabe, kleiner Junge), upėliĆ«kĆĄtis (besonders kleines FlĂŒsschen, BĂ€chlein, Rinnsal)
‱ „-aitis, -aitė“: bernaitis (junger Knabe, kleiner Junge), mamaitė (kleine Mama, liebe Mama)
‱ „-učiukas, -učiukė“ (zwei sich steigernde Formen des Diminutivs): maĆŸučiukas (winzig kleiner Junge), maĆŸučiukė (kleines MĂ€dchen)

Sogar die Funktion „Seite erneuern“ (engl. „purge“) heißt in der litauischen Wikipedia „IĆĄvalyti podėlį“ (also „das kleine Töpfchen auswaschen“).

Lettisch

In der lettischen Sprache sind Diminutive sehr verbreitet. So heißt es im Volkslied:

Pie niedrÄ«tes laivu sēju, pie auziƆas kumeliƆu.
Pats uzkāpu kalniƆāi zeltenÄ«tes lĆ«kotiesi.

Hier sind in zwei kurzen Liedzeilen fĂŒnf Diminutive enthalten: „niedrÄ«te“ ist Diminutiv von „niedre“ (Schilf), „auziƆa“ von „auza“ (Hafer), „kalniƆơ“ von „kalns“ (Berg), „zeltenÄ«te“ von „zeltene“.

Slawische Sprachen

In den slawischen Sprachen werden hĂ€ufig zwei sich steigernde Formen des Diminutivs verwendet, z. B. im Tschechischen: strom „Baum“ → stromek „BĂ€umchen“ → stromeček „kleines BĂ€umchen“.

Im Russischen ist die typische Endung des Diminutivs ein -a, die oft um -ka, -ja, -schka erweitert auftritt, wie z. B. baba „alte Frau, Großmutter“ neben babuschka „GroßmĂŒtterchen, Oma“.

Neugriechisch

In der griechischen Sprache dienen der Diminuierung eine Vielzahl verschiedener Verkleinerungssuffixe. Zu den gebrÀuchlichsten zÀhlen:

‱ Maskulina: -ÎŹÎșης [-ĂĄkis], -ÎŹÎșÎżÏ‚ [-ĂĄkos], -ÎżÏÎ»Î·Ï‚ [-oĂșlis] Beispiel: der Vater (Îż πατέρας [o patĂ©ras]) → das VĂ€terchen (Ï„Îż Ï€Î±Ï„Î”ÏÎżÏÎ»Î·Ï‚ [o pateroĂșlis])
‱ Feminina: -ÎżÏÎ»Î± [-oĂșla], -ÎżÏÎŽÎ± [-oĂșda], -ÎżÏ€ÎżÏÎ»Î± [-opoĂșla], -ÎŻÏ„ÏƒÎ± [-Ă­tsa] Beispiel: das Bier* (η ÎŒÏ€ÎŻÏÎ± [i bĂ­ra]) → das Bierchen (η ΌπÎčÏÎŻÏ„ÏƒÎ± [i birĂ­tsa]) [* das Genus im Griechischen ist feminin]
‱ Neutra: -ÎŹÎșÎč [-ĂĄki], -ÎżÏÎ»Îč [-oĂșli], -ÎżÏÎŽÎč [-oĂșdi], -ÎżÏ…ÎŽÎŹÎșÎč [-oudĂĄki], -ÎżÏ€ÎżÏÎ»Îż [-opoĂșlo] Beispiel: das Haus (Ï„Îż ÏƒÏ€ÎŻÏ„Îč [to spĂ­ti]) → das HĂ€uschen (Ï„Îż σπÎčÏ„ÎŹÎșÎč [to spitĂĄki])

„Die Bedeutung der griechischen Diminutiva geht aber ĂŒber die Verkleinerung hinaus, denn sie werden sehr oft verwendet, um eine zĂ€rtliche Bemerkung, eine höfliche Bitte, eine approximative Berechnung, manchmal auch eine negative [verharmlosende] Beurteilung auszudrĂŒcken“ (Pavlos Tzermias: Neugriechische Grammatik, A. Francke Verlag, Bern 1967).

Das Griechische kennt nicht nur Diminutiva, sondern auch VergrĂ¶ĂŸerungsformen (Augmentativa), die manchmal sehr plastisch sind.

Esperanto

In der internationalen Sprache Esperanto wird die „Verkleinerungsform“ mit der Silbe -et- in Anlehnung an die romanischen Sprachen gebildet, fĂŒr die entgegengesetzte „VergrĂ¶ĂŸerungsform“ wird die Silbe -eg- benutzt. Danach wird, wie regelhaft ĂŒblich, ein Endvokal oder eine Endsilbe angefĂŒgt, die die Wortklasse bezeichnet (-o fĂŒr Substantive in der Einzahl, -oj fĂŒr Substantive im Plural, -a fĂŒr Adjektive, -e fĂŒr Adverbien, -i fĂŒr Verben in der Grundform usw.):

‱ pordo, pordoj TĂŒr, TĂŒren; pordeto, pordetoj TĂŒrchen, Pforten (auch Plural); pordego, pordegoj Tor, Tore
‱ varma warm, varmeta lauwarm, varmega heiß
‱ salti springen, salteti hĂŒpfen, saltegi RiesensprĂŒnge machen

Die Silben sind auch als eigenstÀndige WortstÀmme einsetzbar:

‱ eta klein, gering, ege sehr (Adverb)

Siehe auch

‱ -li

Literatur

‱ Franz Januschek: Über Fritz und andere Auslaufmodelle. Ein Beitrag zur Lingologie. In: Elisabeth Berner, Manuela Böhm, Anja Voeste (Hrsg.): Ein gross vnnd narhafft haffen. Festschrift fĂŒr Joachim Gessinger. UniversitĂ€ts-Verlag, Potsdam 2005, ISBN 3-937786-35-X, S. 221–231, Volltext (Über Koseformen von Vornamen).
‱ Alfred Lameli: The Replacement of Diminutive Suffixes in the New High German Period. A Time Series Analysis in Word Formation. In: Journal of Historial Linguistics 3, 2018.
‱ Maria Schiller: Pragmatik der Diminutiva, Kosenamen und Kosewörter in der modernen russischen Umgangsliteratursprache (= Sprach- und Literaturwissenschaften. Bd. 22). Herbert-Utz-Verlag, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-8316-0683-2 (Zugleich: MĂŒnchen, UniversitĂ€t, Dissertation, 2006).
‱ Henri Wittmann, Heinz Fischer: Die Verteilung des diminutivierenden /ơə/ und /jə/ im MittelfrĂ€nkischen (Aschaffenburg, Neuwied). In: Études germaniques. Bd. 14, 1964, S. 165–167, Digitalisat (PDF; 203 KB).

Weblinks

Wiktionary: Diminutiv

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ „Diminutiv“, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer ĂŒberarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 26. Juli 2022.
cite-note-22. ↑ Karl Ernst Georges: AusfĂŒhrliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, deminutivus, abgerufen am 26. Juli 2022.
cite-note-lameli-33. ↑ Alfred Lameli: The Replacement of Diminutive Suffixes in the New High German Period. A Time Series Analysis in Word Formation. In: Journal of Historial Linguistics 3, 2018.
cite-note-44. ↑ Uday Hattim Mahmod AL Sallaw (Hrsg.): Die Diminution im Deutschen und im Arabischen. Eine kontrastive und korpusbasierte Analyse. 2011, S. 39.
cite-note-55. ↑ Wolfgang Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Berlin 1989 (mit weiteren Auflagen), s. v.
cite-note-66. ↑ Josef Karlmann Brechenmacher: Deutsches Namenbuch. Band 3. Verlag von Adolf Bonz & Comp., 1928, S. 43.
cite-note-77. ↑ Duden.de: MĂ€dchen
cite-note-88. ↑ DWDS: MĂ€dchen
cite-note-99. ↑ Worteintrag: MĂ€dchen, das. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 18. Februar 2019.